In Erfurt prägt talentCAMPus den Sports- und Teamgeist

Echter Sportsgeist folgt sechs Regeln – jedenfalls beim talentCAMPus „Ein Ball, eine Welt“. Unter diesem Titel bietet die Volkshochschule Erfurt seit 2013 mehrmals im Jahr Ferienbildungswochen für Kinder und Jugendliche an. Seit Beginn fungiert „Spirit of football“ als Kooperationspartner. Der 2005 von Studierenden der Uni Erfurt gegründete Verein begreift Fußball als „Weltsprache“. Beim Training geht es nicht allein um sportliche Aspekte, sondern mehr noch um Teamfähigkeit und interkulturelles Verständnis.

Und so lernen die 10 bis 14-jährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich zu Beginn Regel Nummer eins: Jeder darf mitspielen egal, wie gut er oder sie ist. Vor und nach jedem Spiel geben sich alle Mitspieler die Hand und schauen sich dabei in die Augen. Das, so steht es in den „Fairplay-Football Rules“ ist eine Frage des Respekts. Und wer am Ball ist, der macht kein Egospiel, sondern gibt auch ab – im Sinne des Teams. „Wir attackieren als Team und wir verteidigen als Team“, verdeutlicht Andrew Aris, aktueller Präsident von Spirit of Football und einer der talentCAMPus-Betreuer.

Zwischen den „Roten Pavianen“ und den „Gelben Hornissen“ klappt das an diesem Vormittag auf dem Bolzplatz im Nordpark schon richtig gut. Die Gruppe trainiert bereits den fünften Tag in Folge zusammen. Nach jedem Spiel folgt eine Runde Manöverkritik: Was hat gut geklappt, was kann noch besser werden?

Wer einen Fehler macht, gibt Handzeichen und steht dazu. Und Rumgenöle ist tabu. „Keine Schimpfwörter und Kraftausdrücke“ heißt es in den Regeln. „Spaß haben“ lautet die sechste Regel. Und sie steht wohl deshalb an letzter Stelle, weil Spaß eben nicht auf Kosten anderer gehen darf.

Die Stimmung auf dem Bolzplatz ist bestens. Während des Spiels ertönt Musik vom Band. Jedes Tor und jede Torhüter-Parade erhält gebührenden Applaus. Gute Aktionen gehören gefeiert, auch das stärkt das Wir-Gefühl.

Die Volkshochschule der thüringischen Landeshauptstadt gehört bundesweit zu den engagiertesten talentCAMPus-Anbietern. talentCAMPus heißt das Ferienbildungskonzept des Deutschen Volkshochschulverbands. Seit 2013 ist es Teil des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will mit diesem Programm benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu neuen, positiven Lernerfahrungen verhelfen. 

Neben dem Fußball-Campus steht in Erfurt regelmäßig auch „Stadt und Identität“ auf dem Programm. Dabei setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrem Lebensumfeld auseinander und erlernen gleichzeitig die Grundlagen der digitalen Fotografie und der Bildkomposition. Teamarbeit ist auch dabei gefragt. Mit Hilfe der AWO-Schulkooperationseinrichtung „Kleeblatt“ will die VHS mit diesem talentCAMPus gezielt Jugendliche mit gebrochenen Schulbiographien ansprechen.

Mit „Ein Ball, eine Welt“ werden inzwischen verstärkt auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien angesprochen. Wann immer Andrew Aris und das  „Spirit-of-Football“-Team mit Bällen und mobilen Toren in einer Erfurter Flüchtlingsunterkunft auftauchen, sind sie sofort von Fußball-Fans umringt. Einige von ihnen sind nun zum talentCAMPus in den Sommerferien gekommen. Für die Herbstferien ist geplant, den Anteil an Flüchtlingskindern weiter zu erhöhen.

Der elfjährige Ahmed aus Syrien kann beim talentCAMPus nicht nur sein sportliches Talent einbringen. Er hat den anderen auch beigebracht, wie man „Ein Ball, eine Welt“ auf Arabisch schreibt und spricht. Laurenz kann das auf Spanisch beisteuern. Alle zusammen malen im Hof der Volkshochschule mit bunter Kreide eine Weltkugel und dazu das CAMPus-Motto in unterschiedlichen Sprachen. 

Während der Woche sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit ihrer Betreuerin und ihren Betreuern mit Fahrrädern im Stadtgebiet unterwegs. Auch dabei ist es wichtig, aufeinander achtzugeben. Dann geht es zum Klettern oder zu Olympischen Spaßspielen in die Turnhalle oder zum Schwimmen ins Nordbad. Den verantwortlichen Organisatorinnen bei der VHS, Bianca Krüger und Tina Schindler, gefällt, dass das Programm so vielseitig ist. „In klassischen Fußballvereinen wird oft sehr auf Leistung geachtet. Hier gilt: Jeder kann Fußball spielen“, sagt Tina Schindler. Das spreche auch Mädchen an, die ansonsten kaum Gelegenheit zum Fußball spielen hätten. Zwar werde inzwischen vereinzelt Mädchen-Fußball an Schulen angeboten. Das Vereinsangebot sei aber noch immer recht dürftig.

Für die beiden Organisatorinnen ist das eine von vielen positiven Rückmeldungen. Mädchen; die einmal teilgenommen haben, kommen gerne wieder – weil der Teamgeist stimmt.

Mehr zu Erfurt

Kultur macht Stark – Bündnisse für Bildung
Deutscher Volkshochschul-Verband