„Kommunikation und Trickfilmerstellung“ in Lüneburg: Teamwork ist Trumpf

Motiviert ist, wer ein klares Ziel vor Augen hat. So lautet eine Lektion, mit der die Elf- bis 14-Jährigen an diesem Morgen in ihren fünften und letzten talentCAMPus-Tag starten. Im Stadtteil- und Gemeindezentrum KredO in Lüneburg nehmen sie an einer Ferienbildungswoche zu „Kommunikation und Trickfilmerstellung“ teil. Ihr Ziel haben die 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer klar vor Augen: „Wir wollen einen tollen Film drehen.“ Auf dem Weg dahin liegt ein arbeitsreicher Tag vor ihnen.

Die Volkshochschule Region Lüneburg beteiligt sich schon im dritten Jahr am talentCAMPus, dem Ferienbildungskonzept des Deutschen Volkshochschul-Verbands. Seit 2013 ist es Teil des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.  Mit dem neuartigen Bildungsformat, das durch kreative Betätigung die Lust am Lernen wecken will, haben die Lüneburger also schon einige Erfahrung – gerade mit Trickfilm-Workshops. Denn in Lüneburg ist die Firma HollaenderART ansässig. Björn und Mareike Hollaender kombinieren Filmtechnik und Pädagogik.

Und so beginnt auch dieser Tag mit gemeinsamen Reflexionen zum Thema Teamarbeit. Mut gehört dazu, zum Beispiel der Mut, seine Ideen vor der Gruppe zu äußern. Kompromissfähigkeit ist ebenfalls gefragt, damit jeder und jede zum Zug kommt. Rücksicht ist auch ein wichtiges Prinzip. Und Ausdauer!

Fast könnte man denken, Ausdauer sei überhaupt die Königsdisziplin beim Trickfilmen. An der Wand hängt das Storyboard, das die Kinder und Jugendlichen gemeinsam entwickelt haben: ein Drehbuch in Skizzen. Die Geschichte handelt von einer Zeitmaschine, die in unterschiedliche Epochen der Lüneburger Geschichte reist. Im Film wird man abwechselnd die Piloten der Zeitmaschine und verschiedene historische Szenerien sehen. Gearbeitet wird mit der Stop-Motion-Technik. Alles, was sich später im Film bewegen soll, wird Bild für Bild millimeterweise verändert. Dazu werden auf einer flachen Unterlage ganze Figuren oder einzelne Teile verschoben – alles selbst gezeichnet und eigenhändig ausgeschnitten.   

An einer der beiden „Bühnen“ hat sich ein Viererteam formiert. Zwei Jungs und zwei Mädchen produzieren die Dinosaurier-Szene: Klick! Drei Animatoren wuseln zum Tisch. Palmen ausrichten, Dino in Position bringen. Ein prüfender Blick auf den Computerbildschirm. Der zeigt, was die Kamera einfängt, die von oben auf die Collage blickt. Nein, die große Palme muss etwas weiter nach links, den Dino nicht zu weit nach vorne neigen. Klick!  Die vier jungen Trickfilmer agieren hochkonzentriert und souverän.  Sie wechseln die Rollen, jeder und jede darf mal ans Notebook. Sie hören aufeinander. Sie geben sich nicht so leicht zufrieden. Zur Not werden ganze Bildfolgen wiederholt. Diszipliniert widerstehen sie der Versuchung, alle paar Minuten die schon fertige Filmsequenz anzuschauen. Klick! Am Ende des Vormittags haben sie mehr als 200 Mal auf den Auslöser gedrückt und etwa neun Filmsekunden produziert. „Eine ungewöhnlich starke Gruppe“, sagt Björn Hollaender anerkennend. „Wahnsinn, was die alles im Kopf und im Blick behalten!“

Derweil sitzt eine weitere Gruppe im kleinen Saal des KredO und brütet über dem Text, den später ein Erzähler einsprechen soll. Dozentin Mareike Hollaender mahnt zur Aufmerksamkeit: „Wir brauchen hier jeden Kopf.“ Viele verschiedene Arbeitsschritte und ganz unterschiedliche Tätigkeiten fallen bei einer Trickfilmproduktion an. „Jeder darf tun, was ihm am meisten Spaß macht oder was er oder sie am besten kann“, sagt Mareike Hollaender. Sie und ihr Ehemann Björn erkennen schnell, wer welche Stärken hat. „Die Kinder und Jugendlichen sollen sich aber auch in neuen Rollen ausprobieren können“, ergänzt sie.

Stefan Baumann, Leiter des Programmbereichs Pädagogik und Projekte bei der VHS Lüneburg, schätzt an den Film-Workshops von HollaenderART, dass es nie darum geht, welches Kind die Hauptrolle spielt. Immer geht es um das Zusammenwirken und um Kommunikation. Das stärkt die Sozialkompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In vielen talentCAMPus-Projekten ist dies ein zentrales Bildungsziel – gerade auch, weil sie sich schwerpunktmäßig an Kinder und Jugendliche mit schwierigen Lernvoraussetzungen wenden. Zusammen mit Sebastian Dietz von der Jungen VHS organisiert Stefan Baumann den talentCAMPus in Lüneburg.

Dort sorgt inzwischen ein florierendes Netzwerk dafür, dass mehrere Ferienbildungswochen im Jahr stattfinden können. Die VHS wird zu Stadtteilrunden eingeladen. Dort wird erörtert, wo welcher Bedarf besteht, welche Ressourcen zur Verfügung stehen, wer als Partner in Frage kommt. Der Stadtjugendpfleger achtet auf die ausgewogene Verteilung im Stadtgebiet. Oft kooperieren in den einzelnen Stadtteilen bereits verschiedene Akteure, die sich für einen talentCAMPus zu einem „Bündnis für Bildung“ zusammenschließen. Baumann begrüßt, dass das Programm den Kooperationsgedanken fördert.

Auch das Stadtteil- und Gemeindezentrum KredO für die Stadtteile Kreideberg und Ochtmissen ist ein Kooperationsprojekt der Hansestadt Lüneburg mit der Paulus-Kirchengemeinde und dem Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. (VSE). Sabine Liegmann und Hanna Steutner arbeiten dort als Pädagoginnen und betreuen den talentCAMPus mit. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen sie aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Das sorgt dafür, dass der talentCAMPus im Quartier verankert ist und dort auch seine Wirkung entfaltet.  

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