Places to be: Junge Filmemacher setzen besondere Orte in Dinslaken und Umgebung in Szene

„Beim Film ist die Idee entscheidend“, sagt Babette Winkelmann. Sie betreut die Jugendabteilung im Filmclub Dinslaken und war als Dozentin am talentCAMPus der Volkshochschule Dinslaken-Voerde-Hünxe beteiligt. Unter dem Titel „P2B - Places to be“ haben Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren besondere Orte aus ihrem Lebensumfeld filmisch in Szene gesetzt. Am Ende der Projektwoche sind originelle Kurzfilme entstanden. Und Babette Winkelmanns Überzeugung hat sich bestätigt: „In puncto Ideen sind die Kids unschlagbar.“

talentCAMPus heißt das Ferienbildungskonzept des Deutschen Volkshochschul-Verbands. Seit 2013 ist es Teil des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will mit diesem Programm Kindern und Jugendlichen mit schwierigen Voraussetzungen zu neuen, positiven Lernerfahrungen verhelfen.

Der Saal im Ledigenheim Lohberg ist am Abend der Abschlussvorführung gut gefüllt. Freunde und Angehörige der rund 25 talentCAMPus-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sind zur Filmpremiere gekommen. Das Ledigenheim, einst Wohnheim für mehr als 500 unverheiratete Bergleute, ist heute ein Zentrum für Gewerbe, Tagungen und Veranstaltungen mit einem ganz eigenen historischen Charme.

Lohberg gestern und heute ist auch eines der Filmthemen. Der Film, der mit Unterstützung der Künstlerin Britta L. QL entstanden ist, beschäftigt sich mit dem Bergpark Lohberg. Das Naherholungsgebiet mit Seepromenade, Spiel- und Sportflächen liegt inmitten des einstigen Zechenareals.

Noch heute ist der Förderturm das weithin sichtbare Wahrzeichen des Dinslakener Stadtteils, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Zechensiedlung gegründet wurde. Schacht Lohberg gehörte einst zu den größten Anlagen der Deutschen Steinkohle AG mit mehr als 5000 Beschäftigten Ende der 1950er Jahre und einem Fördervolumen von mehr als drei Millionen Tonnen Kohle im Jahr 1979.  Mit der Zechenschließung Ende 2005 gingen 1400 Arbeitsplätze und ein wesentlicher Kristallisationspunkt des öffentlichen Lebens in Lohberg verloren.

Die jungen Filmemacher Vincent, Phil, Niels und Konstantin haben Motive aufgespürt, die Sinnbild sind für diese tiefe Zäsur: Putz, der von den Wänden bröckelt, offene Türen leer stehender Spinde, die niemand mehr braucht. Doch so manches Bild zeugt auch von einem Neuanfang. 2007 begannen die Planungen für eine Nachfolgenutzung der Industriebrache: Neben einer neuen Wohnsiedlung und einem Gewerbegebiet ist auch ein KreativQuartier entstanden. Dort ist auch Britta L. QL mit einem Atelier ansässig.

Ein anderes Filmteam hat sich während der Herbstferienwoche kritisch mit den fließenden Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit in den sozialen Medien auseinandergesetzt. „Das Bett“ lautet der Titel des Beitrags von Pauline, Antonia und Celina, der zum Nachdenken anregen will. In verschiedenen Szenen führen sie eindrucksvoll vor Augen, welch öffentliche Wirkung ein privater Post wie „Liege im Bett zu Hause“ entfaltet.

Die Medienkompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu fördern, war eines der Hauptziele der Initiatoren. Auch rechtliche Rahmenbedingungen der Filmarbeit wurden thematisiert. Wie schwierig das Einholen von Drehgenehmigungen sein kann, erfuhr eines der Teams in der Neutor Galerie, einem Einkaufszentrum in Dinslaken, wo der Krimi „Täuschung in der Neutor“ spielt. Auch Amélie, Fiona, Eda und Alexia haben einen Krimi gedreht. Darin geht es um die Entführung von Mops Murphy.

Neben dem Verein Kreative im Quartier Lohberg und dem Filmclub war auch der Diakonieverein Dinslaken als talentCAMPus-Partner beteiligt. Die Schulsozialarbeiterin des Diakonievereins rührte die Werbetrommel an den Schulen und war während der Woche als Betreuerin im Einsatz. „Das Team hat sich sehr gut ergänzt“, freut sich Karin Aschenbach von der Volkshochschule. Das Jugendzentrum Brucklyn in Hünxe-Bruckhausen diente während der Ferienwoche als Filmstudio. Dort vermittelten Babette Winkelmann und Dirk Scheiffarth vom Filmclub die theoretischen Grundlagen. Dort wurden die Ideen und Storyboards entwickelt, fand Moderationstraining statt und wurde passende Musik ausgesucht.

Von dort schwärmte das „Team Fremdenführer“ aus zu einem Dreh in der Dinslakener Altstadt. Ihr Film zeigt touristische Highlights und ein Interview mit Thomas Pieperhoff, Referent des Dinslakener Bürgermeisters, der das Burgtheater als eine Freilichtbühne mit vielseitigem Programm beschreibt, das sich unter anderem auch an Kinder und Jugendliche wendet. Beeindruckt vom Eifer der talentCAMPus-Teilnehmer zeigte sich Pieperhoff auch am Abend der Preview im Ledigenheim.

Über das „Making-of“ aller Clips gibt es ebenfalls einen Filmbeitrag. In Interviews berichten die Kinder und Jugendlichen von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. Alle Filme sind zu sehen unter http://digitalefilmproduktion.de/P2b. Infos zum kompletten P2B-Projekt sind zu finden unter https://p2bdinslaken.wordpress.com/   

Kultur macht Stark – Bündnisse für Bildung
Deutscher Volkshochschul-Verband